Ochheuteal Beach

Der sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen beliebteste Strand Sihanoukvilles war Ochheuteal Beach. Von der Stadt aus innerhalb von fünf Minuten zu erreichen, hatten sich der vier Kilometer lange Sandstrand und die hinzugekommenen Straßen darum herum innerhalb der letzten Jahre zur belebtesten Gegend entwickelt.

Ochheuteal Beach im Januar 2009. Neben den Touristen, die in der Sonne baden oder sich eine Massage gönnen, sammeln Kinder Plastikmüll, den sie für einige Cents verkaufen können.

Ochheuteal Beach war aus diversen Gründen äußerst beliebt.

Wie auch immer man über die damalige Backpacker-Szene denkt – es gibt sie, zumindest dort, nicht mehr. Alle Restaurants und Bars in dem Strandabschnitt, der vor allem von westlichen Touristen bevölkert war, wurden im Januar dem Erdboden gleichgemacht, um Raum für weitere Kasinos und riesige Hotels zu schaffen.

An dieser Stelle gab es einst jede Menge Restaurants, man konnte in der Sonne liegen, eine Massage genießen, sich eine Pedi- oder Maniküre gönnen, Volleyball spielen oder einfach nichts tun.

Von der Straßenseite aus sieht dieser Strandabschnitt jetzt so aus. Direkt, nachdem die Bulldozer da waren, muss es wie nach einem Bombenangriff ausgesehen haben, und die Menschen durchwühlten die Trümmer auf der Suche nach Verwertbarem.

Viele, viele Menschen haben durch die Zerstörung dieses Strandabschnitts ihr Einkommen verloren. Abgesehen von den Angestellten der Restaurants, die nun keine Arbeit mehr haben, haben auch die Strandverkäufer, Masseurinnen und Nägel-Lackiererinnen, die auf der Suche nach Kundschaft den Strand entlanggewandert waren, keine Kundschaft mehr. Ebenso sind die kleinen Geschäfte in den Straßen nahe des Strandes nun verwaist, zerstört oder bereits in ein Kasino umgewandelt.

Im Q&A Cafe (hier im August 2011) gab es die beste Auswahl gebrauchter Bücher in ganz Kambodscha, und auch das Essen war richtig gut.

Der linke Eingang dieses Kasinos war einmal das Q&A Cafe.

Viele der ehemaligen kleinen Geschäfte sind verwaist und warten nur noch auf den vollständigen Abriss.

Der größte Schock war für mich vor ein paar Tagen der ehemalige Trampelpfad hinunter zu der Stelle, wo Ochheuteal Beach und Serendipity Beach aufeinander treffen. Hier reiht sich Auto an Auto, Tuk-Tuk an Tuk-Tuk, und dazwischen versuchen auch Motorradfahrer und Fußgänger, sich hindurchzuschlängeln. Alles drängt zum Pier, um Sihanoukville möglichst schnell zu verlassen und auf eine der vorgelagerten Inseln zu fahren.

Der ehemalige Trampelpfad hinunter zum Ochheuteal Beach und Serendipity Beach

Direkt am Pier: Hochhäuser

Vor lauter Gedränge kann man eigentlich kaum noch einen Fuß vor den anderen setzen.

Und so sah es im April 2011 noch da aus, wo jetzt der Pier ist. Der ehemalige Trampelpfad war immerhin schon zu einem breiten Weg geworden.

Auf dem Pier herrscht ein unsägliches Gedränge.

Der Strand war immer schon in einen westlich-ausländischen und einen einheimischen Teil getrennt. Nicht, weil es für Westler verboten gewesen wäre, sich im Strandabschnitt der Einheimischen aufzuhalten oder umgekehrt, aber die Geschmäcker und Gewohnheiten sind einfach so unterschiedlich, dass sich die Trennung ganz von selbst ergab. Während wir Westler uns am liebsten in die Sonne legen, um möglichst schnell braun zu werden, vermeiden die Kambodschaner die Sonne, um ihre Haut nur ja so weiß wie möglich zu halten. Während wir Westler im Bikini ins Wasser gehen, gehen die Kambodschaner in Jeans und langärmligen T-Shirts. Während die Kambodschaner sich meistens in Großfamilien am Strand aufhalten und große Essensgelage veranstalten, mögen wir Westler es eher ruhig und mit einem Buch. Der Musikgeschmack ist unterschiedlich, und der Essensgeschmack auch. Nun ist im Januar nicht der ganze Ochheuteal-Strand zerstört worden, sondern nur der Teil der westlichen Ausländer, während der Abschnitt der Kambodschaner weitestgehend erhalten und auch nach wie vor sehr beliebt ist, ganz besonders an Feiertagen wie vom 13. bis 15. Mai, dem Geburtstag des Königs. Übrigens ist Sihanoukville ja nach König Sihanouk, dem Vater des jetzigen Königs Sihamoni, benannt.

Der kambodschanische Strandabschnitt wird immer noch stark frequentiert.

Kambodschanische Großfamilien halten wahre Gelage ab.

Wenigstens an diesem Strandabschnitt haben die übrig gebliebenen fliegenden Händler – und deren gibt es viele – die Chance auf Verdienst.

Ein Stand mit buntem Strandspielzeug und diversen Süßigkeiten.

An dieser Maschine wird Zuckerrohrsaft hergestellt.

Auch die Stinkefrucht Durian (soll sehr lecker sein, riecht aber abscheulich) wird zum Verkauf angeboten.

Geschälte Mangostücke mit Chili und Geschmacksverstärker erfreuen sich großer Beliebtheit.

Hier noch ein kleines Video vom Treiben der Händler am Zugang zum Strand:

Ob die Strände vor Sihanoukville allerdings noch zu den schönsten der Welt gehören, wage ich ein wenig zu bezweifeln…

Ochheuteal – eine der schönsten Buchten der Welt?

 

 

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Kbal Chhay, diesmal mit dem Pritschenlastwagen

Kbal Chhay ist auf jeden Fall einen zweiten Ausflug wert und bot die perfekte Gelegenheit, wenigstens einige der ehemaligen Kinder vom Goodwill Center, mit denen ich damals gearbeitet habe und die ja inzwischen Teenager oder junge Erwachsene sind, wiederzusehen. Offene Pritschenwagen sind in Kambodscha ein durchaus akzeptables Transportmittel für eine größere Gruppe Menschen, und noch dazu macht es Spaß, sich auf diese Weise ans Ziel bringen zu lassen. Jedenfalls ließ sich weder von der Enge auf der Pritsche noch von der Hitze oder dem Staub, wenn uns ein großer Lastwagen überholte, irgend jemand die gute Laune verderben.

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Mit dem Pritschenwagen ging’s zum Kbal Chhay Wasserfall.

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Dürftiger Schutz vor der sengenden Sonne

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Ich war ganz froh darüber, dass ich den Komfort eines richtigen Sitzes neben dem Fahrer genießen konnte, vergewisserte mich aber ununterbrochen, dass sich hinten nur ja niemand auf die Kante setzte oder aufrecht hinstellte, was die Jungs natürlich dauernd versuchten.

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Durch die Scheibe konnte ich sehen, dass selbst dickste Staubwolken der guten Laune nichts anhaben konnten.

Kaum waren wir aus Sihanoukville heraus, musste der Fahrer schon auf dem nächsten Markt anhalten, weil einige der Kinder sich mit noch mehr Snacks und Obst eindecken wollten.

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Halt auf dem Markt in Bartrang

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Obst für die Weiterfahrt

Während der Fahrt fiel mir plötzlich auf, dass unser Fahrer links nur noch einen Armstumpf hat. Das Steuern mit nur einem heilen Arm schien für ihn jedoch kein Problem zu sein. Etwas mulmig wurde mir allerdings, als sein Handy klingelte und er gleichzeitig das Telefon abnahm, steuerte und Geld für die Mautgebühren heraussuchte. Der Fahrer erzählte mir, dass er seine Hand 1997 verlor, als die Roten Khmer sich noch überall im Dschungel versteckten und ihn eines Tages beim Fahren überfielen.

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Unser Fahrer verlor seine Hand 1997 bei einem Überfall der Roten Khmer.

Am Wasserfall angekommen, gab es für uns alle kein Halten mehr – wir hatten das dringende Bedürfnis nach Abkühlung und danach, uns den Staub abzuwaschen.

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Nach der Ankunft ging’s so schnell wie möglich ins Wasser.

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“Style!!!”

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Lauter geborene kleine Laufstegschönheiten, für ein Bad im Wasserfall perfekt gestylt.

An einer Stelle ist das Wasser so tief, dass man sogar hineinspringen kann, was natürlich ganz besonderen Spaß machte.

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Kun, Maley, Srey Leak und Khea

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Khea

Natürlich reichten die mitgebrachten und die unterwegs gekauften Snacks nicht aus, deshalb musste am Wasserfall noch scharfer Papayasalat gekauft werden. Ich probierte davon nur eine einzige Erdnuss, aber selbst die war mir zu scharf…

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Mindestens zu zehnt machen sich die Kinder über den Papayasalat her.

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Rechts mit Schwimmweste Nida.

Glücklicherweise sind wir alle heil und gesund wieder in Sihanoukville angekommen – manchmal war mir durchaus ein wenig bang. Nicht so sehr am Wasserfall, wo es zwar auch hätte passieren können, dass ein Kind einem anderen in den Rücken springt oder auf einem Stein landet statt im Wasser, sondern wegen des wohl nicht nur gefühlt doch etwas gefährlichen Transports.

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Heil und glücklich wieder in Sihanoukville

 

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Kbal Chhay Wasserfall

Unser inzwischen schon zur Tradition gewordener jährlicher Mitarbeiterausflug führte am vergangenen Samstag zum Wasserfall Kbal Chhay, 16 Kilometer nördlich von Sihanoukville. Während unsere Mitarbeiter mit ihren Motorrädern aus Steng Hau heranfuhren, kam ich zusammen mit meinem früheren Mitarbeiter am Goodwill Center, Sokheang, mit dem Tuk-Tuk aus Sihanoukville.

Sitah war schon früher immer mal wieder mein Tuk-Tuk-Fahrer

Sokheang und ich im Tuk-Tuk

Um den viel befahrenen Highway Nr. 4 so weit wie möglich zu vermeiden, fuhr Sitah zunächst die staubigste Straße, die man sich denken kann, aus Sihanoukville hinaus. Ich kenne die Straße noch aus Zeiten, in denen nur auf den ersten paar hundert Metern überhaupt Häuser standen und es so gut wie gar keinen Verkehr gab, doch inzwischen wird die Straße – seit Monaten – zweispurig in beide Richtungen ausgebaut. Der Verkehr geht dabei einfach weiter, die Anwohner werden täglich in Staub gehüllt. Noch ist ein Ende der Bauarbeiten nicht abzusehen.

Vor den Toren der Stadt haben wir einen guten Blick über Sihanoukville, der die vielen Hochhausbauten zeigt.

Blick über Sihanoukville

Die letzten neun Kilometer zum Wasserfall führen über eine unbefestigte Straße mit dem für diese Gegen typischen roten Boden. Sitah muss sich ziemlich konzentrieren, um den vielen Schlaglöchern auszuweichen oder das Tuk-Tuk heil hindurchzubekommen, zumal durch nächtlichen Regen auch noch alles schlammig ist.

Neun Kilometer Staub- oder Schlammstraße führen zum Wasserfall.

Auf dem Weg zum Wasserfall kommen wir an diesem See vorbei.

Am Eingang zum Wasserfallgebiet lässt Sitah uns aussteigen. Er wird mit seinem Tuk-Tuk irgendwo im Schatten auf uns warten und sich an einem der vielen Stände eine Nudelsuppe zum Mittagessen gönnen.

Im Eingangsbereich zum Wasserfall

Eine kleine Brücke, die von Fußgängern und Motorrädern benutzt wird, führt über den Fluss zu den Wasserfällen. Das Überqueren der Brücke kostet pro Person 1.000 Riel, das sind umgerechnet 25 US-Cent.

Die Mitarbeiter aus Steng Hau sind bereits da. Sie haben einen der Picknickplätze für uns alle reserviert und Essen bestellt, so dass es als erstes ein gutes Mittagessen gibt. Dabei darf Bier mit viel Eis, das aus Plastikbechern mit dem Strohhalm getrunken wird, nicht fehlen.

Auf uns wartet ein reichhaltiges Mittagessen

In Kambodscha wird meistens der ganze Vogel serviert. Der Kopf und die Füße gelten als besondere Leckerbissen…

Zwar trinke ich gar kein Bier, aber ein Foto vom Bier mit viel Eis und durch den Strohhalm getrunken darf nicht fehlen.

Nach dem Essen geht’s ins Wasser. Drei Wasserquellen fließen an dieser Ausflugsstelle zusammen, die die verschiedensten Möglichkeiten des Badens bieten: kühl oder eher warm, still oder bewegt oder sogar wie unter einer Massagedusche. Das meiste davon wäre wahrscheinlich in Deutschland verboten, da viel zu gefährlich…

An dieser Stelle ist das Wasser sehr still, aber recht kühl.

An dieser Stelle kann man entweder gemütlich mitten im Wasserfall meditieren oder sich von den herabfallenden Wassermassen massieren lassen.

Und hier schließlich ist das Wasser angenehm warm, aber man muss aufpassen, nicht in die Tiefe gerissen zu werden.

Nach dem ausgiebigen Baden sind wir alle müde und halten eine kleine Mittagsruhe, bevor es wieder zurück geht. Es war ein richtig schöner Tag, an dem neben dem guten Essen und dem Baden auch viel gelacht und gescherzt wurde.

Mittagsruhe

Ein schöner Tag geht zu Ende

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Sihanoukville – oder doch eher Kasinoville?

Sihanoukville, die Stadt, die von 2008 bis 2012 meine Heimat war und die ich eigentlich immer noch als meine zweite Heimat ansehe, verändert sich in einem Tempo, das seinesgleichen auf der Welt sucht. Die Skyline der Stadt hat sich, seit ich vor einem Jahr zuletzt hier war, komplett verändert. Aus einer schläfrigen Kleinstadt mit einigen zehntausend Einwohnern wird ein zweites Macau. Hochhäuser schießen aus dem Boden wie Pilze, jeden Tag entstehen neue Kasinos – es gibt inzwischen mehr als 30 in Sihanoukville, während es im Jahr 2005 nur zwei gab.

Blick über Sihanoukville im Oktober 2009

Blick über Sihanoukville im Mai 2018

Überall entstehen Hochhäuser. Mai 2018

Fast alle Straßen werden erweitert, was aufgrund des erheblich erhöhten Verkehrsaufkommens sicherlich auch sinnvoll ist, jedoch wird nirgendwo der Verkehr umgeleitet oder die Baustelle abgesperrt, und die Anwohner leben teilweise seit Monaten in Staub eingehüllt. Jetzt hat es zum Glück bereits ein paar Mal geregnet. Doch die vielen Schlaglöcher voller Wasser machen die Sache nicht gerade besser. Mein langjähriger schwedischer Bekannter Henrik, der in Sihanoukville das Small Hotel betreibt, nahm mich gestern auf seinem schweren Motorrad mit auf eine Tour durch die Stadt und an der Küste entlang.

Henrik zeigt mir bei einer Tour durch die Stadt all die Veränderungen.

Die folgenden Videos wurden von mir während der Fahrt mit dem Motorrad aufgenommen. 

Falls jemand zum Glücksspiel nach Sihanoukville kommen möchte, hier eine kleine Auswahl der Kasinos, an denen wir vorbei kamen:

Eine kleine Auswahl der über 30 Kasinos in Sihanoukville.

Übrigens sind sowohl die meisten Betreiber als auch die meisten Kunden der Kasinos Chinesen. Die Chinesen bringen zudem ihre eigenen Bauarbeiter mit, eröffnen ihre eigenen Supermärkte und Restaurants und haben im Prinzip die ganze Stadt übernommen. Wer vermietet schon noch an Einheimische oder Westler, wenn die Chinesen locker den fünf- bis zehnfachen Preis bieten?

In einem angebauten Zimmer hinter diesem Haus habe ich 2008-2012 gewohnt.

Das war der Blick auf das Nachbarhaus.

Und so sehen die Auffahrt und das Nachbarhaus jetzt aus. Das Nachbarhaus wird, sobald es fertig ist, an Chinesen vermietet werden.

Natürlich habe ich auch schon die Siedlung um das Goodwill Center herum, wo ich ja von 2008-2012 gearbeitet habe, besucht. Dort wurde ich mit großem Hallo empfangen und gleich durch die ganze Siedlung geführt. 

Vor dem Haus von Sophy, einer meiner früheren Mitarbeiterinnen des Goodwill Centers, sowie ihren Nichten und Neffen, die damals alle noch klein waren und jeden Tag zum Spielen kamen, jetzt jedoch Teenager oder bereits erwachsen sind.

Lisa, Chao Knait und Dawy, alle drei 15 Jahre alt. Lisa und Chao Knait haben die Schule geschmissen und arbeiten seit kurzem in der Nachtschicht von 23 Uhr abends bis 8 Uhr morgens in einem Kasino.

Nida, die elfjährige Schwester von Lisa, und Srey Kah, ebenfalls elf, gehen beide noch in die Schule, aber schleppen trotz ihrer zarten Konstitution Kleinkinder auf dem Arm.

Nida

Meine frühere Mitarbeiterin Nain hat vor zwei Monaten ihr drittes Kind bekommen, einen Sohn.

Nain mit ihrem Sohn und einer der dreijährigen Zwillinge.

Nain und ihre Mutter betreiben einen kleinen Laden. Zwei junge Mädchen, die nicht aus der Siedlung stammen, aber inzwischen dort wohnen und auch in einem Kasino arbeiten, kaufen sich auf dem Heimweg einen Eiskaffee.

Der kleine Laden vor Nains Haus bietet fast alles.

Auch diese junge Frau kommt vorbei, kauft jedoch nicht, sondern verkauft Süßigkeiten.

Süßigkeitenverkäuferin

Nach drei anstrengenden Stunden in der Goodwill-Siedlung bei Temperaturen von 31, jedoch gefühlten 36 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit bringt der inzwischen 19-jährige Kea mich zurück ins Hotel – selber zu fahren traue ich mich momentan noch nicht.

Kea bringt mich zurück ins Hotel.

 

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Blockeisherstellung in Kambodscha oder Warum man bei Eisgetränken aufpassen sollte

Was hier auf dem Foto so schön glänzt, sind frisch angelieferte Eisblöcke – da fast niemand in Kambodscha einen Kühlschrank besitzt, sind zerkleinerte Eisblöcke in Kühlboxen die einzige Möglichkeit der Kühlung für Nahrungsmittel und Getränke. Die Eisblöcke werden bei gut 30 Grad im Schatten notdürftig mit einer Plastikplane bedeckt und warten nun darauf, bei Eingang einer Bestellung zerkleinert und zum Kunden gebracht zu werden.

Angeliefert werden die Blöcke auf Lastwagen, wo sie auch nur ein wenig bedeckt waren:

Anlieferung von Eisblöcken

Über eine Rutsche werden die Eisblöcke heruntergelassen und mit Eisenhaken an ihren Platz befördert.

Hier ein kleines Video, das die Anlieferung des Eises zeigt:

Mit dieser Maschine werden die Blöcke, sobald eine Bestellung eingeht, zerkleinert.

Das macht einen Höllenlärm:

Das Eis landet direkt in großen Plastiksäcken, wird auf ein Motorrad geschnallt, und los geht’s zum Kunden.

Aber wo kommen die Eisblöcke her? Man fühlt sich mehr als hundert Jahre zurückversetzt, in die Zeit der Industrialisierung im Westen, wenn man die Fabriken zur Eisherstellung besucht.

Mit diesen Maschinen wird das Ganze angetrieben.

Hier sieht man ein wenig mehr von der Gesamtanlage

Über diese Kupferrohre fließt ununterbrochen Wasser.

Aus diesen Becken werden die Formen mit Wasser gefüllt.

Und hier sind die Formen, in denen das Wasser zu Eis gefroren wird.

Während des Gefriervorgangs wird über Plastikschläuche (sie hängen rechts im Bild), die in die Formen getaucht werden, Luft ins Wasser geblasen.

Mit Hebekränen werden die Formen versenkt und wieder herausgeholt.

Und hier wird das fertige Eis aus den Formen geholt …

… auf Lastwagen verladen …

… und von diesem netten Fahrer zum Händler gebracht.

Leider weiß ich nicht wirklich, wie das alles funktioniert – vielleicht kann mir ein Ingenieur weiterhelfen? Dies kleine Video zeigt jedenfalls die Arbeit innerhalb der Fabrik – wobei “innerhalb” immer auch gleichzeitig “außerhalb” ist, denn nichts ist isoliert, es muss eine Menge an Energie dabei verloren gehen:

In abgelegenen Gegenden wird das so hergestellte Eis durchaus auch in Getränken verwendet. Allerdings wissen inzwischen auch die meisten Kambodschaner, dass dies nicht gerade gesund ist. Als Tourist sollte man unbedingt darauf achten, nur Getränke mit Eis aus Trinkwasser zu sich zu nehmen!

Kambodscha hat noch einen langen Weg zu gehen. Dabei hilft vor allem eins: Bildung. Bitte unterstützt daher unseren Verein “Zukunft für Steng Hau e.V.”, mit dem wir ein Bildungsprojekt in der Region Steng Hau (Steung Hav) unterstützen:
“Zukunft für Steng Hau e.V.”
Deutsche Bank
IBAN: DE1420070024074418190, BIC: DEUTDEDBHA
http://zukunft-stenghau.org/
https://zukunftstenghau.wordpress.com/

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Die neue alte Eisenbahn in Kambodscha

Wer schon einmal in Kambodscha war, kennt den mehr als abenteuerlichen Verkehr auf den dortigen Straßen. Lastwagen und Kleinbusse sind so überladen, dass man sich wundert, dass sie überhaupt voran kommen und nicht unter ihrer Last zusammenbrechen. Riskante Überholmanöver auf den Überlandstraßen, auf denen sich Fußgänger, Lastkarren und -wagen, Motorräder mit auch einmal bis zu fünf Passagieren, Tuk-Tuks, Fahrräder, Kühe und Autos drängeln, lassen einem den Atem stocken und den Herzschlag aussetzen, und es kommt immer häufiger zu schlimmen Unfällen.

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Überladenes Gefährt. Auf der Ladung haben auch noch Menschen Platz gefunden. Januar 2010

Und auch ein derart überfüllter Minibus ist kein seltener Anblick

So ist die seit einem guten Jahr nach 14 Jahren Stillstand auch für den Personenverkehr wiederbelebte Bahnstrecke Sihanoukville-Phnom Penh ein echter Segen. Einige der alten Züge aus den sechziger Jahren sind aufpoliert und modernisiert worden, es werden nur so viele Fahrkarten verkauft, wie auch Plätze vorhanden sind, die Waggons sind klimatisiert, und die Fahrt ist zwar langsam – für die 160 km lange Strecke von Kampot, wo ich zustieg, bis nach Phnom Penh benötigte der Zug gute fünf Stunden -, dafür aber sicher, wenn man einmal davon absieht, dass es in diesem einen Jahr, seit der Zug wieder fährt, trotz der langsamen und seltenen Fahrten an einigen Bahnübergängen schon zu Zusammenstößen mit Lexus-Wagen, deren Fahrer es gewohnt sind, immer Vorfahrt zu haben, gekommen ist.

Restaurierter Zug aus den sechziger Jahren.

Die Diesellok bei der Einfahrt des Zuges in Kampot

Und so sahen die Züge vor der Restauration aus:

Viele der alten Waggons stehen in Phnom Penh am Bahnhof und werden teilweise als Wohnung genutzt.

Der schmuck hergerichtete Zug hat auch Güterwaggons dabei:

Die Güterwaggons waren von Sihanoukville bis Kampot dabei, dort wurden sie abgehängt.

Die Hamburger wird’s freuen: Container von Hapag-Lloyd sind mit dem Zug aus Sihanoukville in Kampot angekommen.

Der Zug fährt inzwischen dreimal wöchentlich: freitags um 15 Uhr sowie samstags und sonntags um 7 Uhr von Phnom Penh nach Sihanoukville, samstags um 7 sowie sonntags um 7 und um 16 Uhr von Sihanoukville nach Phnom Penh. Fahrkarten kauft man am besten am Tag vorher direkt am Bahnhof. Dort kann man sich dann auch gleich erkundigen, ob der Zug tatsächlich an diesem Tag auch losgefahren ist, denn wenn nicht, kann er am nächsten Tag ja nicht wieder zurück fahren.

Der Bahnhof von Kampot

Fahrkartenschalter am Bahnhof in Kampot

Die armen Fahrkartenverkäufer müssen hinter diesen Gittern in einem winzig kleinen, schmutzigen Kabuff sitzen, das genau so aussieht, wie man es sich aufgrund der Gitter vorstellt.

Am Bahnhof werden Snacks verkauft, hier die Stinkefrucht Durian, für die Kampot berühmt ist.

Und hier ein Video von der Einfahrt des Zuges:

War schon das Äußere des Zuges eine positive Überraschung, so kann das Innere beinahe nobel genannt werden, wenn auch nicht ganz mit dem Orient-Express zu vergleichen.

Der Gang im 1.-Klasse-Wagen ist holzvertäfelt. Ein bewaffneter Soldat fährt immer mit.

Ich vermute, diese Tür führt ins 1.-Klasse-Abteil, und wahrscheinlich konnte man sich früher durch die Klappe Mahlzeiten und Getränke servieren lassen.

Die alte Alarmglocke ist noch da – ich habe nicht ausprobiert, ob sie noch funktioniert.

Alarmglocke oben an der Wandvertäfelung

Die Türen lassen sich nur per Hand öffnen und schließen.

Und so sah es in unserem klimatisierten Waggon aus.

Selbst die Toilette ist noch echte Qualität! Man beachte den zwar leeren, aber nichtsdestotrotz goldenen Klorollenhalter.

Abgesehen vom Aspekt der Sicherheit ist ein weiterer Vorteil des Zuges der Ausblick auf teilweise spektakuläre Landschaften. Wegen der Klimaanlagen sind die Fenster des Zuges nicht mehr zu öffnen, so dass ich diese Videos durch die Scheibe aufnehmen musste:

Bei der Einfahrt des Zuges nach Phnom Penh dann ist zu sehen, wie viel Arbeit noch auf Kambodscha wartet, bis man von einem modernen Bahnnetz sprechen kann – die Strecke zwischen Sihanoukville und Phnom Penh, die übrigens in den 60er Jahren u.a. von der Bundesrepublik Deutschland gebaut wurde, ist die bisher einzige Bahnstrecke, auf der jetzt auch wieder Personenzüge fahren. Kambodscha benötigt noch sehr viel Hilfe aus dem Ausland, auf allen Ebenen!

Auf jeden Fall ist die Fahrt mit dem Zug eine empfehlenswerte Sache!

An der Bahnstrecke Kampot-Phnom Penh, April 2017: Im Hintergrund Zuckerpalmen, vorne rechts ein Bauer mit Gefäßen, in denen der Saft der Zuckerpalmen aufgefangen wird.

Schauen Sie sich auch meinen anderen Blog an: https://zukunftstenghau.wordpress.com/

Dort finden Sie Informationen über unser Bildungsprojekt im Distrikt Steng Hau, das von “Zukunft für Steng Hau e.V.” finanziert wird.

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Blaue Fanta, bunte Würstchen und weitere Kuriositäten

Blaue Fanta scheint es, wie mich Google gerade belehrt hat, auch in Deutschland einmal gegeben zu haben. Warum es sie nicht mehr gibt? Vielleicht ist sie zu bunt für den deutschen Geschmack? Nichts ist dagegen zu bunt für Kambodscha, weder Fanta noch Würstchen.

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Der Sohn von Sokheang vom Goodwill Center liebt blaue Fanta.

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Am Verkaufsstand von Nain, meiner früheren Mitarbeiterin am Goodwill Center, gibt es Getränke in den wildesten Farben. Die 13-jährige Kneth hilft in der Mittagspause beim Verkauf und mixt gerade einen Eiskaffee an.

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Auch Würstchen lassen sich in Kambodscha besser verkaufen, wenn sie bunt sind.

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Nicht “bunt” darf dagegen die Haut sein. Sie soll möglichst hell bleiben. Bevor die Frauen auch nur etwas Sonne an die Haut lassen, schwitzen sie lieber bei gemessenen 31, jedoch gefühlten 40 Grad im Schatten im Rollkragenpullover und in Strümpfen – man beachte, dass die Strümpfe extra für die Flip-Flops so ähnlich konzipiert sind wie bei uns Fausthandschuhe, nur eben mit der Ausbuchtung für den großen Zeh statt für den Daumen.

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Diese junge Frau hier kommt gerade mit ihrem drei Tage alten Baby aus der Klinik. An der Pudelmütze kann man immer gut erkennen, wenn eine Frau gerade ein Baby bekommen hat, denn es herrscht die Ansicht, dass es für Frauen kurz nach der Geburt besonders wichtig ist, keine Wärme zu verlieren – und das bei den oben bereits erwähnten gefühlten 40 Grad!

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Frauen sollen sich nach der Geburt auch möglichst wenig bewegen, weshalb sie wochenlang liegend auf dem Bett verbringen, unter dem man auch noch ein Feuer anzündet. Den armen Frauen läuft der Schweiß nur so übers Gesicht, aber was sein muss, muss eben sein…

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Leider ist auch allgemein der Glaube verbreitet, dass für Frauen kurz nach der Geburt die meisten Lebensmittel schädlich seien. Ihnen bleibt fast nur weißer Reis zum Essen. Viele sind irgendwann völlig entkräftet und werden bei der kleinsten Anstrengung beinahe ohnmächtig.

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Dabei gibt es in Kambodscha die köstlichsten Dinge! Hier als Opfergaben für Khmer Neujahr unter einem Haus aufgebaut.

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Palmfrüchte

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In diesen Bambusbehältern wird der leckere Saft der Palmfrüchte zum Verkauf angeboten. Die Früchte stammen von der Zuckerpalme. Links auf dem Foto sind Zuckerpalmen zu sehen.

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Die Frucht der Lotospflanze, deren Kerne man essen kann.

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Lotosblüten als Opfergabe im Tempel. Die Blätter wurden per Hand gefaltet, damit diese Muster zustande kommen.

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An kleinen Verkaufsständen in der Nähe der Angkor-Tempel werden alle möglichen Devotionalien und Wundermittel angeboten.

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Buddhastatuen, Drachendarstellungen und der Elefantengott Ganesha an einem Verkaufsstand.

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Ebenfalls an einem der Verkaufsstände: allerlei Wundermittel.

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Wundermittel?

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Der Geldstapel im Hintergrund besteht aus nagelneuen 100-Riel-Scheinen (100 Riel = 2,5 US Cents). Praktischerweise werden die Scheine neben dem Tempel verkauft, damit man gleich Kleingeld für die Opfergaben und für die dort sitzenden Bettler hat.

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Serey Kot und Srey Mao haben 100-Riel-Scheine gekauft und verteilen sie auf die aufgestellten Opferkörbe.

Zum Schluss dieses Eintrags noch zwei schöne Videos: Die Herstellung von Zuckerrohrsaft und das Kochen in einer Familie beim Goodwill Center.

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